Menu

Startklar für die Telematikinfrastruktur

Die Telematikinfrastruktur (TI) soll Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser und andere Akteure des Gesundheitswesens miteinander vernetzen, damit diese schneller und einfacher miteinander kommunizieren können. Ziel ist es, über eine "Datenautobahn" medizinische Informationen, die für die Behandlung der Patienten nötig sind, system- und sektorenübergreifend auszutauschen. Oberste Priorität hat dabei die Sicherheit der Patientendaten.

Vernetzung - Schloss

Fristen für den Anschluss

Den Fahrplan für die Einführung der TI mit nutzbringenden Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) enthält das am 1. Januar 2016 in Kraft getretene "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen", kurz E-Health-Gesetz. Demnach sollen bis zum 30. Juni 2019 alle Praxen an die TI angeschlossen sein und die erste Anwendung durchführen können: das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Ist ein Vertragsarzt dazu nicht in der Lage, wird ihm laut Gesetz das Honorar pauschal um ein Prozent gekürzt (siehe § 291 Absatz 2b Satz 14 SGB V). Die notwendigen Komponenten für den Anschluss an die TI mussten Praxen bis spätestens 31. März 2019 verbindlich bestellen und dies gegenüber ihrer Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigung nachweisen.

Geplantes Digitalisierungsgesetz

Mit seinem Entwurf für ein "Digitale Versorgung"-Gesetz (auch Digitalisierungsgesetz oder E-Health-Gesetz II genannt), das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Mai 2019 vorstellte, soll die Vernetzung im Gesundheitswesen weiter vorangetrieben werden. Um den Ausbau der Telematikinfrastruktur zu beschleunigen, drohen Verweigerern schärfere Sanktionen: Wer ab März 2020 noch nicht an die TI angeschlossen ist, muss mit einer Honorarkürzung von 2,5 Prozent rechnen.

Anwendungen der Telematikinfrastruktur im Überblick

Folgende Anwendungen sieht das E-Health-Gesetz vor

Versichertenstammdatenmanagement

Bei der ersten Pflichtanwendung, dem so genannten VSDM, werden die Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) online geprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Praxen, die diese Aufgabe nicht erledigen, drohen Honorarkürzungen von 1 Prozent.

Elektronischer Arztbrief

Seit 2017 wird der eArztbrief mit 55 Cent vergütet, wenn er mittels elektronischem Heilberufsausweis (eHBA) qualifiziert signiert und sicher übermittelt wird (z. B. KV-Connect). Sobald ein Kommunikationsdienst in der TI zur Verfügung steht, soll die Vergütung neu verhandelt werden.

Elektronischer Medikationsplan

Seit Oktober 2016 haben Patienten, die 3 oder mehr Arzneimittel anwenden, Anspruch auf einen Medikationsplan. Dieser soll künftig elektronisch von der eGK abrufbar sein. Ärzte & Apotheker sollen ihn dann direkt auf der eGK aktualisieren.

Lebensrettende Notfalldaten

Alle Versicherten sollen noch in Kürze die Möglichkeit haben, notfallrelevante Informationen (Diagnosen, Medikation, Allergien, Unverträglichkeiten etc.) auf ihrer eGK eintragen zu lassen, damit diese im Ernstfall schnell abrufbar sind.

Elektronische Patientenakte

Versicherte haben künftig Anspruch auf eine sektorenübergreifende elektronische Patientenakte, in der Dokumentationen wie eArztbriefe, Medikationsplan, Notfalldatensatz, Impfausweis etc. aufbewahrt werden können.

Elektronisches Patientenfach

Patienten sollen künftig Daten in einem Online-Fach ablegen und außerhalb der Praxis eigenständig einsehen können, z. B. selbst gemessene Blutzuckerwerte. Die Daten aus der ePatientenakte können auf Wunsch auch aufgenommen werden.

Telemedizinische Anwendungen

Telemedizinische Leistungen, z. B. die telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen oder Online-Videosprechstunden, sollen v. a. älteren und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen zugute kommen. Diese werden Ärzten teilweise bereits vergütet.

Das benötigen Praxen für den Anschluss

Um Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapiepraxen an die TI anzuschließen, sind diverse technische Komponenten notwendig. Diese müssen hohen Anforderungen an Funktionalität und Sicherheit genügen sowie aufwändige Testverfahren bestehen. Sie werden vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach entsprechenden IT-Sicherheits-Prüfvorschriften geprüft und müssen von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) zugelassen werden.

Kosten werden erstattet

Praxen bekommen die Kosten für die TI-Anbindung erstattet. Sowohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung haben sich mit dem GKV-Spitzenverband auf Beträge für die technische Erstausstattung und die laufenden Betriebskosten geeinigt. Ebenso hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit dem GKV-Spitzenverband eine Finanzierungsvereinbarung geschlossen, damit Kliniken, ermächtigte Ambulanzen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) an die TI angebunden werden können.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die notwendige technische Ausstattung und deren Finanzierung. Für den Konnektor und die Wartung der Komponenten und Updates inkl. laufende Kosten für den VPN-Zugangsdienst gab es im vergangenen Jahr eine zeitliche Staffelung der Höhe der Pauschalbeträge. Aktuell gelten die Fördersummen aus dem 4. Quartal 2018.* Dabei gilt: Die Höhe der Erstausstattungspauschale, die eine Praxis erhält, richtet sich nicht nach dem Kaufdatum der technischen Komponenten, sondern nach dem Zeitpunkt deren Inbetriebnahme. Eine Praxis wird also erst ab dem ersten durchgeführten VSDM finanziell gefördert.

Im Detail: TI-Komponenten & deren Finanzierung

Technische KomponenteFinanzierung*
Stationäres eHealth-Kartenterminal:

Es dient dazu, die elektronische Gesundheitskarte (eGK), den Praxisausweis (SMC-B) und den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) einzulesen.

Ärzte haben künftig die Wahl zwischen zwei Arten stationärer Kartenterminals:

  • Kartenlesegerät mit Tastenfeld: Anders als das bisherige eGK-fähige Kartenlesegerät wird es nicht am PC, sondern am Konnektor angeschlossen.
  • Tastaturkartenleser (Chipkartentastatur): Er wird per USB ans Praxisnetzwerk angeschlossen. Die Belegung einer externen LAN-Schnittstelle sowie eine zusätzliche Stromversorgung fallen somit weg.

Wie viele Kartenterminals werden benötigt? Mindestens eines für die medizinischen Fachangestellten am Empfang für das VSDM. Für die künftigen medizinischen Anwendungen (z. B. Notfalldaten) sind zusätzliche Kartenterminals in den Behandlungszimmern nötig.

Anspruch: 435 € pro Kartenterminal

Ärzte/Psychotherapeuten:

  • bis zu 3 Ärzte/Psychotherapeuten pro Betriebsstätte: 435 € für 1 Kartenterminal
  • 4-6 Ärzte/Psychotherapeuten pro Betriebsstätte: 2 x 435 € für 2 Kartenterminals plus einmaliger Komplexitätszuschlag in Höhe von 230 €
  • > 6: 3 x 435 € plus 460 €

Ab dem Quartal, in dem ein Konnektor mit den Fachanwendungen Notfalldatenmanagement und elektronischer Medikationsplan in der Vertragsarztpraxis betriebsbereit ist, hat jede Vertragsarztpraxis Anspruch auf ein zusätzliches Terminal je angefangene 625 Betriebsstättenfälle.

Zahnärzte:

Je nach Praxisgröße und der Anzahl der dort tätigen ZÄ werden bis zu drei Geräte finanziert.

Mobiles eHealth-Kartenterminal:

Wer Haus- und Pflegeheimbesuche durchführt, benötigt ein mobiles Terminal, das aber ausschließlich im Offline-Betrieb arbeitet (kein VSDM möglich).

Wichtig: Zum Zugriff auf die eGK ist ein weiterer Praxisausweis (SMC-B) oder ein eHBA nötig.

Anspruch: 350 € pro Kartenterminal

Ärzte:

  • Anästhesisten, die Patienten in der Praxis eines anderen Arztes betreuen
  • alle Vertragsärzte mit mindestens hälftiger Zulassung, die im vergangenen oder aktuellen Quartal mindestens drei Hausbesuche nachweisen können
  • Praxen, die einen Kooperationsvertrag zur Pflegeheimversorgung (nach § 119b Abs. 1 SGB V) abgeschlossen haben.
  • ausgelagerte Praxisräume (sie werden jedoch nicht mit Konnektor und stationären Kartenterminals ausgestattet)

Zahnärzte - wie folgt gestaffelt:

  • Standort mit 1 Zahnarzt, mind. 30 Besuchsfällen im Vorjahr/aktuellen Jahr oder Nachweis des Abschlusses eines Kooperationsvertrages mit einer Pflegeeinrichtung gemäß § 119b Abs. 1 SGB V: 1 mobiles Kartenterminal
  • 2 Zahnärzte, 100 Besuchsfälle & mindestens 3 Kooperationsverträge: 2 mobile Kartenterminals
  • > 2 Zahnärzte, 200 Besuchsfälle & mindestens 5 Kooperationsverträge: 3 mobile Kartenterminals
Konnektor:

Der Konnektor ist die Schnittstelle zwischen Ihrem Praxisverwaltungssystem, Ihrem Kartenterminal und der TI.

Er ermöglicht die Verwaltung der Versichertenstammdaten, in Zukunft auch der Notfalldaten und Medikamentenverordnung auf der eGK.

Die Verbindung zur TI erfolgt hochsicher über den VPN-Zugangsdienst.

Pro Praxisstandort (Praxen mit bis zu drei Ärzten, Psychotherapeuten bzw. Zahnärzten) wird ein Konnektor mit folgenden Pauschalen finanziert:

  • seit Quartal 4/18: 1.547 €
Praxisausweis (SMC-B):

Mit dem Praxisausweis (Security Module Card - Betriebsstätte, kurz SMC-B) authentisiert sich eine Betriebsstätte (Praxis, Klinik oder Apotheke) gegenüber den Diensten der TI, weist sich also als berechtigter Teilnehmer aus und kann Patientendaten auf der eGK auslesen. Die Karte wird in das stationäre Kartenterminal gesteckt, über eine PIN aktiviert und ist zwingend erforderlich für den Betrieb der TI-Komponenten.

Herausgeber des Praxisausweises sind die Kassenärztlichen Vereinigungen für Fachärzte und Psychotherapeuten sowie die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen für Zahnärzte. Produziert wird der Ausweis von vertraglich verifizierten Vertrauensdiensteanbietern wie medisign.

Übernahme der Betriebskosten:

Ärzte & Psychotherapeuten:

23,25 € pro Quartal & Karte

Zahnärzte:

450 € als Einmalzahlung für 5 Jahre pro Karte

Hinweis: Praxen, die Anspruch auf ein mobiles eHealth-Terminal haben, wird pro Terminal ein weiterer Praxisausweis finanziert (s. auch "mobiles eHealth-Terminal").

gSMC-KT:

Die gerätespezifische Security Module Card - Kartenterminal (kurz gSMC-KT) wird ins Kartenterminal eingesteckt - analog einer SIM-Karte im Mobiltelefon - und fest versiegelt. Sie dient dazu, das Kartenterminal innerhalb der TI eindeutig zu identifizieren und dessen dauerhafte Verbindung mit dem Konnektor sicherzustellen.

Ist im Kartenterminal bereits enthalten.
gSMC-K:

Die gerätespezifische Security Module Card - Konnektor (kurz gSMC-K) ist fest im Konnektor verbaut. Sie dient dazu, denn Konnektor innerhalb der TI eindeutig zu identifizieren.

Ist im Konnektor bereits enthalten.
VPN-Zugangsdienst:

Für den Zugang zur TI benötigen Praxen den VPN-Zugangsdienst, der über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) und unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien einen sicheren Datenverkehr ermöglicht.

Betriebskostenpauschale (Wartung der Komponenten und Updates inkl. laufende Kosten für den VPN-Zugangsdienst):

Ärzte & Psychotherapeuten:

  • seit Quartal 3/2018: 248 €/Quartal

 

Zahnärzte:

  • seit Quartal 3/2018: 83 €/Monat
Software-Update des PVS:

Das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, um eine Verbindung zur TI zu ermöglichen und die Versichertendaten der eGK importieren zu können.

einmalige Startpauschale: 900 €

Sie soll die Kosten decken, die beim Anschluss eines virtuellen privaten Netzwerks (VPN), bei der Installation, durch den Praxisausfall während der Installation und bei der Anpassung ihres Praxisverwaltungssystems (PVS) entstehen. Zudem wird damit der Zeitaufwand für das VSDM in der Startphase​ vergütet.

Elektronischer Heilberufsausweis (eHBA):

Der eHBA ist für den Zugang zur TI keine Pflicht, wird jedoch künftig für medizinische Anwendungen der TI benötigt. Er ermöglicht die qualifizierte elektronische Signatur, also die rechtsgültige digitale Unterschrift.

Herausgeber des eHBA sind die Landesärztekammern für Ärzte, die Landeszahnärztekammern für Zahnärzte und die Landespsychotherapeutenkammern für Psychotherapeuten. Produziert wird der Ausweis von zugelassenen Anbietern. Derzeit ist dies ausschließlich medisign für den eHBA der Generation 0.

Übernahme der Betriebskosten:

Ärzte & Psychotherapeuten:

11,63 €/Quartal & Karte

Zahnärzte:

233 € als Einmalzahlung für 5 Jahre pro Karte

Zusatz: Notfalldatenmanagement (NFDM) & elektronischer Medikationsplan (eMP):

Die Vergütung der notwendigen technischen Komponenten für die Fachanwendungen NFDM und eMP regelt die Neufassung der TI-Finanzierungsvereinbarung zwischen GKV-Spitzenverband und KBV vom 14.12.17.

Sie soll die Kosten decken, die den Praxen bei notwendigen Updates (Konnektor, PVS) und beim Betrieb entstehen.

Ärzte:

einmalige Pauschale: 530 €

Übernahme der Betriebskosten: 4,50 €/Quartal

Zugelassener Vertrauensdiensteanbieter

medisign SMC-B

Seit 2018 ist medisign von der KBV und KZBV zugelassen, Praxisausweise (SMC-B) für Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapiepraxen anzubieten und hat seither über 70.000 Karten produziert. Da der Praxisausweis für die Inbetriebnahme des Konnektors und der anderen TI-Komponenten zwingend erforderlich ist, sollten Praxen ihn deshalb rechtzeitig, ca. 4 Wochen vor dem geplanten Installationstermin, beantragen.

Der medisign Praxisausweis wahlweise für 23,25 Euro pro Quartal oder für 92 Euro pro Jahr (jeweils inkl. MwSt. und mit zweijähriger Mindestvertragslaufzeit) erhältlich. In beiden Fällen werden die Kosten durch die vereinbarten Betriebskostenpauschalen für Ärzte und Psychotherapeuten komplett gedeckt. Da die SMC-B-Pauschale für Zahnärzte zum 1.1.2019 von 480 auf 450 Euro für fünf Jahre gekürzt wurde, liegen die Kosten nun leicht über der Erstattungssumme: Auf fünf Jahre gerechnet, beträgt der Jahrespreis 460 Euro, der Quartalspreis 465 Euro.

Mehr erfahren & bestellen >

ePatientenakte ab 2021?

Das geplante "Digitale Versorgung"-Gesetz sieht in punkto TI-Anwendungen folgende Maßnahmen/Neuerungen vor:

  • Vertragsärzte sind ab 2021 dazu verpflichtet, Gesundheitsdaten (neben Röntgenbildern und Befunden z. B. auch Impfstatus, Mutterpass, U-Untersuchungen und das Zahn-Bonus-Heft) auf Nachfrage ihrer Patienten in einer bestehenden elektronischen Patientenakte zu speichern bzw. eine anzulegen. Hierfür ist eine Vergütung vorgesehen (bis spätestens 1. Juli 2020 im EBM).
  • Ärzte dürfen künftig z. B. auf ihrer Homepage für Videosprechstunden werben, damit Patienten leichter Praxen finden, die telemedizinische Leistungen anbieten.
  • Für den kollegialen Austausch sollen Telekonsile extrabudgetär vergütet werden.
  • Die TI soll zügig ausgebaut werden: Apotheken sollen sich bis März 2020 und Krankenhäuser bis März 2021 an die TI anschließen. Andere Gesundheitsberufe (z. B. Physiotherapeuten, Pflegeeinrichtungen, Hebammen) können sich freiwillig anschließen – die Kosten werden erstattet.
  • Ärzte können künftig Gesundheits-Apps (z. B. digitale Tagebücher für Diabetiker) verschreiben. App-Entwickler erhalten eine auf zwölf Monate beschränkte Zulassung und müssen in diesem Zeitraum Versorgungsvorteile nachweisen.
Katja Chalupka

Ihre Presse-Ansprechpartnerin

Katja Chalupka

Redaktion & Öffentlichkeitsarbeit
Niederkasseler Lohweg 181-183
40547 Düsseldorf

Tel.: 0211 77008-198
Mobil: 0176 57916671
Fax: 0211 77008-500
E-Mail: presse@medisign.de

Ansprechpartner für Kunden:
medisign Kundencenter