Umfrage zur Telematik im Gesundheitswesen

11. Mai 2004, Düsseldorf: Wie steht es mit der Akzeptanz von Telematik in der deutschen Ärzteschaft? medisign präsentiert die Ergebnisse einer breit angelegten Praxisumfrage.

Grundlagen der Umfrage
Die Telematik-Umfrage von PVS/Die Privatärztlichen VerrechnungsStellen und Deutsche Apotheker- und Ärztebank wirft jetzt ein erstes Schlaglicht auf das "unbekannte Telematik-Wesen" Arzt. Primär adressiert an die niedergelassene Ärzteschaft erfasst sie aus einem Pool von ca. 15.000 im Herbst 2003 versandten Print-Fragebögen und einem inhaltsgleichen Online-Fragebogen die Antworten von insgesamt 648 auswertungsrelevanten Teilnehmern. 281 Fragebögen wurden schriftlich ausgefüllt, 367 online. Der Anteil anonymer Antworten lag bei 22 %. Als Mitglied einer PVS gaben sich 47 % der Teilnehmer (Marktanteil PVS gesamt: 35 %) zu erkennen.
Um die Aussagefähigkeit der Ergebnisse zu sichern, wurden die persönlichen Angaben der Teilnehmer gegenüber den Ärztestatistiken der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vom 31. Dezember 2002 validiert. Außerdem stand ein Vergleich der Antworten nach EDV-Know-how-Voraussetzungen (Selbsteinschätzung der Teilnehmer) zur Verfügung. In beiden Fällen ergaben sich keine ergebnisrelevanten Abweichungen.

Ergebnisse und Interpretationen
Frage:
"Generell setze ich bei EDV-Entscheidungen auf ..."
Antwort:
"... meine eigenen Erfahrungen (57,7 %)",
"... mein fachkundiges Praxispersonal (10,2 %)"
"... meinen EDV-Dienstleistungspartner (32,1 %)"

EDV-Entscheidungen in der ärztlichen Praxis sind Chefsache und werden dementsprechend nur beschränkt delegiert. Offensichtlich gehört für die Mehrzahl der Ärzte die Kompetenz in dieser Sache zur Praxismanagement-Verantwortung und damit zum eigenen Aufgabenbereich. Für die Anbieter von Telematik-Diensten bedeutet dies, dass sie vor allem den Arzt ansprechen und überzeugen müssen.

Frage: "Bei welchen Online-Anwendungen glauben Sie, dass sich schon vor 2005 ein Mitmachen lohnen könnte?"
Antwort:
"Elektronischer Arztbrief (71,5 %)"
"Übertragung von Labordaten (75,1 %)"
"Elektronisches Rezept (37,5 %)"
"Elektronischer Bericht, z.B. Unfall (52,9 %)"

Vielleicht noch wichtiger als die Bewertung einzelner Online-Anwendungen erscheint die Tatsache, dass alle Anwendungen eine sehr hohe Zuspruchquote besitzen. Insofern ist die bisher sehr oft vertretene Vermutung, Ärzte würden sich mit diesen Themen nicht beschäftigen, nicht mehr zu halten. Vielmehr gilt: Ärzte wissen, dass elektronische Prozesse bereits kurzfristig Vorteile für die eigene Praxis generieren können. Und sie wissen auch, dass für sie sogar die gleichzeitige Einführung mehrerer Anwendungen Sinn machen kann.

Frage: "Umfang und Ausführung des Telematik-Einsatzes in der Praxis ..."
Antwort:
"... sollte immer noch jeder Arzt persönlich entscheiden (78,3 %)"
"... wird zwischen den Interessenverbänden ausgehandelt (5,9 %)"
"... wird sowieso von Kostenträgern und Gesetzgeber irgendwann vorgeschrieben (15,9 %)"

Was den Einsatz von Telematik-Anwendungen in der eigenen Praxis betrifft, lässt sich der Arzt von Niemandem hineinreden. Er beansprucht die aktive Gestaltungsfreiheit und weist Vorgaben zurück. Auch von der bisherigen Arbeit der Interessenvertretungen hält er wenig, zumindest was ihre Handlungsfähigkeit im Telematik-Umfeld angeht. Eine Telematik-Strategie, die auf die "verordnete" Macht des Faktischen setzt, muss offensichtlich mit erheblichen Widerständen seitens der Ärzteschaft rechnen.

Frage: "Die Diskussion um Datensicherheit und -schutz bei der Online-Kommunikation ..."
Antwort:
"... sollte die Ärzteschaft noch intensiver führen (63,9 %)"
"... erscheint mir inzwischen überzogen (26 %)"
"... interessiert mich nicht besonders (10,1 %)"

Die Antworten belegen die hohe und verbreitete Sensibilität in der Ärzteschaft zur Frage der Online-Sicherheit. Den wichtigsten Hinweis, den diese Antworten darüber hinaus geben, ist eigentlich eine weitergehende Frage: Warum sagen so viele Ärzte, dass die Diskussion intensiver geführt werden muss? Eine Untersuchung dieser Frage dürfte sicherlich sehr spannend werden.

Die Initiatoren:
PVS/Die Privatärztlichen VerrechnungsStellen ist die Arbeitsgemeinschaft von 12 der führenden regionalen Serviceunternehmen für das (privat-)ärztliche Abrechnungswesen: PVS/Bayern, PVS/Bremen, PVS/Limburg-Lahn, PVS/Neunkirchen, PVS/Niedersachsen, PVS/Sachsen, PVS/Schleswig-Holstein, PVS/Südbaden, PVS/Südwest, PVS/Trier, PVS/Westfalen-Nord und PVS/Westfalen-Süd. Die Gruppe repräsentiert direkt rund 21.000 niedergelassene Ärzte und Chefärzte bzw. ein Honorarvolumen von knapp 1,3 Mrd. Euro.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank ist das größte genossenschaftliche Primärinstitut und damit die Nr. 1 unter den Finanzdienstleistern für Health Professionals. Als Partner der Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte sowie ihrer Organisationen, Verbände und wirtschaftlichen Einrichtungen präsentiert sich die APO-Bank heute mit einem Leistungsspektrum, das über den üblichen Service eines Kreditinstituts weit hinausgeht.

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Illustrationen zur Pressemitteilung 04-05-11

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